Die Baracken-Siedlung «Villaggio»
Am 07. Mai 2026 wurde der Villaggio-Weg offiziell eingeweiht. An diesem Ort stand 1947 bis 2008 eine Barackensiedlung der Firma Sulzer. Weil sie viele italienische Arbeiter beherbergte, erhielt sie den Übernamen «Villaggio» (ital. Dorf). In der Hochkonjunktur nach dem Zweiten Weltkrieg rekrutierte Sulzer ausländische Arbeitskräfte als sogenannte «Gastarbeiter». Da diese nur befristete Verträge erhielten, wurden sie statt in Wohnungen in Baracken untergebracht.
Im «Villaggio» wohnten bis zu 400 Männer in Viererzimmern, jede Baracke verfügte übereinen gemeinsamen Waschraum. Der Aufenthaltsraum mit Fernsehgerät und Bar war einwichtiger Treffpunkt. Verpflegt wurden die Arbeiter in der Betriebskantine, die von 1956bis 2010 auf der anderen Seite der Eulach stand. Für die Freizeit gab es einen Fussballplatz,eine Boccia-Bahn und verschiedene Vereine.
Als das Saisonnier-System gelockert und der Familiennachzug erleichtert wurden, zogen immer mehr ausländische Arbeiter:innen in eigene Wohnungen. Das «Villaggio» diente migrantischen Vereinen als Treffpunkt, bis die Baracken für den Bau des Eulachparks abgerissen wurden.
Obwohl ausländische Arbeitskräfte einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung Winterthurs leisteten, kommen sie in der Geschichtsschreibung kaum vor. Auch heutige Migrant:innen werden nicht immer anerkannt. Deshalb beschloss der Stadtrat 2026, diesen Weg nach dem «Villaggio» zu benennen. Diese Benennung steht stellvertretend für die herausfordernden Arbeits- und Lebensbedingungen vieler Migrant:innen und in Anerkennung deren Bemühungen und Leistungen in und für Winterthur.

Zeitzeugen erzählen
Wer noch mehr zum „Villaggio“ erfahren will, kann sich das Interview mit Marcello Maffucci, Giancarlo Elio Teroni und Franco Zanon anhören.
